1. Preis

DKFS Architects London (UK) / Hürtgenwald
A 24 landschaft Berlin

Verfasser:
Dirk Krolikowski, Asc. Prof. Dipl.-Ing.
Falko Schmitt, Dipl.-Ing.
Jan Grimmek, Dipl.-Ing.
Steffan Robel, Dipl.-Ing.
Mitarbeit:
Courtney Jones, Michael Huang, Betty Liang Peng, Lorand Goncal, Svenja Siever, Lara Prinz, Michael Baumgartner
Fachplaner:
Tragwerksplanung Mayr | Ludescher | Partner: Dipl.-Ing. Hubert Busler, Dr.-Ing. Anne Bauer
 

BEURTEILUNG DES PREISGERICHTS:

 

Die klare Linie der Arbeit überzeugt und würde die Aufmerksamkeit der Besucher auf sich lenken. Die Arbeit betont den räumlichen Übergang zur Landschaft und wirkt emblematisch in der Ausformung der gefächerten Dächer, die sich in der Höhenentwicklung steigern. Sie stellt eine einladende Lösung der Aufgabe dar, allerdings ist die dazu notwendige Konstruktion aufwendig.

Die Erschließung ist nachvollziehbar, allerdings teilweise rückläufig. Die Lkw-Ladeplätze sind so kaum möglich, da die Ausfahrt nur rückwärts fahrend möglich ist.

Alle Pkw-Plätze sind überdacht, ebenso der Zugang von den Parkständen zum zentralen Servicepunkt. Die Zugänglichkeit des Servicepunktes über kurze Wegeverbindungen wird begrüßt, das Erschließungskonzept dieses Gebäudes bedarf allerdings noch der Überarbeitung. Kritisch diskutiert wird die stringente Trennung des Servicepoints in zwei Baukörper, ebenso die Aufenthaltsqualität zwischen den beiden Gebäuden.

Der Ladepark führt nicht unwesentlich zu versiegelten Flächen. Die Realisierbarkeit der Stellplatzbereiche und der zentralen Wegeverbindungen mit Rasenfugenpflaster wird hinsichtlich Winterdienst (Streusalz) und Verschattung durch das Preisgericht in Frage gestellt. Außerdem sollten die Belange der Barrierefreiheit in der Oberflächengestaltung berücksichtigt werden. Die Etablierung einer langfristig funktionierenden Vegetation unter der Dachstruktur wird ebenfalls hinterfragt und sollte nochmals geprüft werden.

Die angedachten Photovoltaik-Schindeln sind bei der großen zusammenhängenden Dachfläche sinnvoll.

Die Zu- und Abfahrten mittig zwischen den beiden Kreisverkehren funktionieren auch bei leichtem Rückstau. Der leicht geänderte Verlauf der Christenstraße ist sinnvoll angelegt, der Wiesensaum nach Westen ist zu begrüßen, ebenso der Erhalt der Scheune mit neuen Funktionen.

Der Ladepark ist leicht in zwei Bauabschnitten zu realisieren. Der dann entstehende 1. Bauabschnitt wäre voll funktionsfähig, die versiegelten Flächen entsprechend reduziert.

Das Bild der leicht schwebenden hölzernen Flügel in der Landschaft überzeugt das Preisgericht, das Gebäude wird Zeichen und Landmark für den Standort und die auslobende Firma Kaeser.

 

Erläuterungstext zum Entwurf

Erläuterungstext

Die Maxime

Das Leitbild für den neuen Ladepark Coburg ist eine neue Generation von Infrastruktur, die nachhaltig, attraktiv als auch hoch integriert ist. Dabei setzt sich die Wahrnehmung und Erfahrung des Bauwerks klar von bekannten Modellen von Infrastruktur ab und ist aufgrund der des Wechselspiels von Architektur, Landschaft und die Logik des PKWs als Transportmittel eine Neuinterpretation von Infrastruktur. Mit seiner eigenständigen Identität steht der neue Ladepark für einen modernen Lebensstil und verfolgt einen innovativen und integralen Ansatz bei der Definition des Verhältnisses von Natur, Technik und Leben. Gleichzeitgig hat das Bauwerks einen hohen Wiedererkennungswert um den übergeordneten städtebaulichen Ambitionen des Areals gerecht zu werden und den neuen Ladepark in Coburg nicht nur durch den hohen Erfahrungswert für den Nutzer sondern baulich auch in der Fernwirkung durch seine elegante als auch markante Form zu markieren. Mit seiner herausragenden Architektur steht der neue Ladepark für den hohen Anspruch des Unternehmens Kaeser und den Standort Coburg.

Die Logik des neuen Ladeparks

Das Bauwerk wird als Teil der Landschaft begriffen und wird mit der eleganten, formalen Logik des Dachs als auch der Gebäude Teil dieser. Dabei verzichtet der Verfasser bewusst auf prototypische, generische Lösungen sondern verfolgt einen orts-spezifischen Entwurf um dem Anspruch an Integration und Originalität des Bauwerks gerecht zu werden. Das Ladeparkdach bildet eine elegante Figur aus, die sich aus der Topographie der Landschaft entwickelt und mit dieser in Dialog steht.

Während sich im Grundriss die Dachkubatur radial um die sich um die Christenstraße ausbildenden Fächer legt ist das Dach städtebaulich zu den Bereichen der Staatstrasse hin ausgerichtet und bildet eine klare Adresse. Die Seitenbereichen der modernen Holzkonstruktion sind dabei geometrisch unaufgeregt. Hier sorgt die konstante Dachhöhe über der 2% geneigten Grundebene für einen räumlich ausdifferenzierten Raum, der in seiner Wahrnehmung nicht linear ist, sondern nach Osten durch die veränderliche Höhe komprimiert wird, am Eingangsbereich jedoch durch seine Höhe eine repräsentative Willkomensgeste ausbildet. Hier tritt das Dach und seine PV-Haut durch eine Abfaltung, die auch statisch aktiv ist, in die Ansicht und markiert die Zufahrt. In der Mitte erhebt sich das Dach und bildet den zentralen Ladegarten aus. Dieser verknüpft den Nutzerstrom mit einer Grünraumkette zu den Servicegebäuden bis auf den Platz auf der oberen Parkebene. Durch die Topographie des Daches bildet sich einen räumlich differenzierten Erfahrungsraum aus, der auch zur Orientierung und Wegefindung des Nutzers beiträgt. Die Bereiche unter dem Dach bieten Breakout- und Hangoutgelegenheiten aus, während es dem Nutzer ermöglicht trockenen Fußes zu den Servicebereichen zu kommen. In der Ansicht bildet die Morphologie des 12m hohen Daches einen aufregenden städtebaulichen Hochpunkt aus.

Die silbernen Dachflächen des Holzdaches bestehen aus PV-Schindeln, die sich schuppenartig der Dachgeometrie anpassen und durch attraktiv changierenden Lichtreflexionen die Geometrie der fließenden Form des scheinbar von der Luft animierten silbernen Dachbänder betonen. Zugleich wird die Energiegewinnung sichtbar. Die warmen Töne der Holzkonstruktion in der Untersicht markieren den Innenraum des Ladeparks und tragen mit ihrer angenehmen Materialität zum Komfort in den Nutzerbereichen bei. Innen- und Außenfläche der Dachform werden zudem durch den Materialkontrast klar ablesbar und unterstützen die räumliche Wirkung bei der Wahrnehmung der Dachkonstruktion. Druckluft befüllte ETFE-Kissen in den Zwischenbereichen erlauben Tageslichteinfall und thematisieren Druckluft als Baumaterial. Diese könnten zudem bei einer Beleuchtung bei Nacht als auch bei Dunkelheit als laternenartige Lichtkissen fungieren.
Da Stellplatz- und Ladegartenbereich in ein barrierefreies Plateau mit 2% Neigung modelliert werden, wird die topographisch bewegte Landschaft genutzt um einen Schichtenversprung entlang neuen Christenstraße auszubilden. Durch ein Abknicken der Christenstrasse wird durch diesen Höhenversprung Raum geschaffen, der die SB-Gebäude aufnimmt und diese so in die Landschaft an der topographischen Kante optimal integriert. Auch die technische Infrastruktur sowie die Anlieferungsbereiche werden in diese Fuge integriert und so nicht sichtbarer Teil der Landschaft. Zugleich funktioniert das Dach der Gebäude als Aussichtspunkt über den Campus und den attraktiven Ladepark mit Perspektiven in die umliegende Landschaft. Hier befindet sich eine Landschaftstreppe, die die Grünraumkette des Ladegartens fließend mit der Parklandschaft vernetzt. Mit dem oberen Platz im Park, um den sich ein reichhaltiges Angebot mit E-Bike-Leihstation und Ladeplätzen sowie einem Spielplatz konzentrieren wird die Grünraumkette des Ladegartens komplettiert. Lade- und Stellplatznutzer werden in den Park gezogen während die Servicebereiche den Nutzergruppen von der Landschaftsparkseite aus zugänglich gemacht werden.

Durch die neue und zeitgemäße Interpretation von Infrastruktur im Zusammenschluss mit identitätssbildender Architektur und eleganter Silhouette entsteht ein besonderer Ort, ein Highlight mit hohem Widererkennungswert. Der hohe Grad an Integration zeigt wie innovative Technologie und moderner Lebensstil in einer neuen Genaration von Infrastuktur zusammenfinden kann. Mit einem hohen Anspruch an Nachhaltigkeit und somit auch an Baukultur als wesentlicher Bestandteil dieser ist der neue Ladepark zukunftsweisend und steht für die Marke Kaeser, für Effizienz als auch Emotion und den Standort Coburg.

Das Dach und seine Konstruktion

Die Überdachungen des E-Ladeparks entwickeln sich in den seitlichen Bereichen aus ebenen, filigranen, nahezu horizontalen Regelflächen aus Brettsperrholz mit einer sich mittig aufweitenden durchgehenden transluzenten Öffnung als Oberlicht. Im Mittelbereich wölbt sich die Dachfläche, die als abwickelbare Regelfläche konstruiert ist, kontinuierlich bis zu einer Höhe von ca. 12 m über dem Gelände Richtung neuer Staatsstraße 2205 nach oben auf und knickt zugleich nach beiden Seiten leicht V-förmig ab, wodurch eine räumliche, dreidimensionale Form entsteht, die sich harmonisch in die Grundstücksfläche einfügt. Das Tragwerk wurde anhand eines Computermodells auf alle wesentlichen Lastfälle untersucht und verifiziert. Das Dachtragwerk besteht aus einem mittig neben dem Oberlicht angeordneten Längstragwerk mit zwei Hauptträgern aus Brettschichtholz im Abstand von ca. 1,0 bis 4,7 m und einer Länge von ca. 105m bzw. 130m, deren Höhe dem Momentenverlauf entsprechend angepasst wird. Das Längstragwerk lastet sich über V-förmig geneigte, beidseitig eingespannte Stützen aus Brettschichtholz auf StB-Fundamenten ab. In Querrichtung werden die 10 cm dicken Brettsperrholzplatten der Überdachung über auskragende, gevoutete Brettschichtholz- Querträger im Abstand von ca. 4 m unterstützt, die höhengleich über Stahlanschlussbleche biegesteif mit dem Längstragwerk verbunden sind. Durch die dreidimensionale Form werden die Auskragungen im Mittelbereich zudem unterstützt, da hierdurch eine Schalentragwirkung der massivem Brettsperrholzplatten und eine räumliche Lastableitung aktiviert wird. Im Bereich der ebenen Auskragungen an den Dachenden werden die Brettsperrholzplatten zur Steifigkeitserhöhung oberseitig zu 20 cm dicken Platten aufgedoppelt. Zur horizontalen Aussteifung wird das nördliche, höhere Dach punktuell räumlich nach unten geführt, wodurch eine zusätzliche Lagerung und eine Versteifung des Dachtragwerkes in Querrichtung für den Windlastfall entsteht. Schwingungstechnische Voruntersuchungen haben ergeben, dass die erste Eigenfrequenz der Dachkonstruktion bei 1,60 Hz liegt. In den weiteren Planungsphasen kann eine Optimierung der Steifigkeitsverhältnisse vorgenommen und genauere Untersuchungen der dynamischen Windlastanteile hervorgerufen durch böheninduzierte Schwingungsanteile durchgeführt werden. Zur Optimierung der Bauteilabmessungen kann dies ergänzt durch Windkanalversuche erfolgen und rechnerisch durch numerische Strömungssimulationen (CFD-Simulationen) genauer analysiert werden. Erfahrungsgemäß werden die dynamischen Windlastanteile nur im unversperrten Zustand auftreten. Im versperrten Zustand, der für die Bemessung der Bauteile maßgeblich ist, ist keine Erhöhung der Vertikalwindlasten zu erwarten. Die Eindeckung besteht aus PV-Schindeln die den Radien der einfach gekrümmten Brettsperrholzplatten folgen kann. Der Lichtschlitz wird mit Folienkissen aus ETFE Kissen eingedeckt. Mit der Überdachung in Holz und der Unterbauten in Beton werden durchgängig Materialien gewählt, die robust, dauerhaft und vollständig recyclebar sind. In der im Dach verbauten Kubikmenge Holz wird nahezu die gleiche Menge an Tonnen Kohlendioxid gespeichert und der Umwelt entzogen, und zugleich durch den Einsatz von Holz andere emissionsintensive Materialien substituiert. Das Dachtragwerk kann großflächig modular im Werk vorgefertigt werden. Die einzelnen Teile werden über die Straße antransportiert und können mittels Autokran eingehoben werden. Dadurch wird ein wünschenswert hoher Vorfertigungsgrad im Werk mit effektivem Maschineneinsatz erzielt und die Montagezeiten mit entsprechenden Witterungseinflüssen qualitätssichernd verkürzt.

Die Verkehrsflächen

Die Position der Zu- und Abfahrten sind strategisch von den Kreisverkehren abgelagert um Rückstau bei den Einfahrten zu vermeiden. Auf dem Gelände befindet sich zuerst ein größerer Orientierungsbereich für den Fahrer auf dem er über ein Informationssystem einen Stellplatz angezeigt bekommt. Die Fahrgassen sind auf bequeme 6 m für beidseitigen Verkehr festgelegt. Für die Oberflächen ist ein wasserdurchlässiger Asphalt vorgesehen, der der Oberflächenversieglung entgegenwirkt. Für die Stellplatzflächen wird Rasenfugenpflaster vorgesehen, welches nur teilversiegelnd ist. In den begehbaren Zwischenräumen verdichtet sich das Rasenpflaster zu Gehbahnen, die seitlich in die Grünflächen diffundieren. Das streifenartige System aus Rasenfugen passt sich an die Logik der Architektur an und übersetzt das Thema von Luftströmungen in ein markantes Bodenmuster. Frei verteilte Kleinbäume und eingestreute Sitzelemente verleihen dem Ort unter dem schattigen Dach einen gartenhaften Charakter. Die Auswahl der Gehölzarten ist an die verfügbare Höhe unter dem Schattendach angepasst. LKW-Plätze werden im grünen Vorbereich angeordnet und auf die notwendigen Schleppkurven abgestimmt. Eine Überdachung der LKW wird als nicht angemessen erachtet.

Ausbaustufen

Das Ladeparkdach besteht aus zwei konstruktiv unabhängigen Dächern. Diese können phasenweise errichtet werden. Die erste Ausbaustufe umfasst das Dach, das direkt an den Service-Gebäuden liegt. Hierzu sollten im Planungsverlauf bedacht werden, das sich die Mehrkosten bei Dachbauwerken bei weitem nicht linear verhalten und ein voller Ausbauzustand bereits in der ersten Phase sinnvoll sein könnte. Während die städtebauliche Fernwirkung durch die größere Dacherhöhung erst in der zweiten Ausbaustufe ihre volle Kraft entfaltet ist das Dach dennoch städtebaulich wirksam und architektonisch vollständig aktiv. Die Gebäude sind in Ihrer möglichen finalen Ausbaustufe dargestellt, aber ebenfalls ihrer Größe hoch flexibel da sie in den Hang gebettet sind.

Das Ladepark Areal und die Freianlagen

Der entwurfliche Ansatz betrachtet sowohl den neuen Ladepark als auch das gesamte Parkareal als Chance, die bestehende Lage im Gewerbegebiet Nord zu stärken und ein wichtiges städtebauliches Bindeglied zwischen der angrenzenden Stadtstruktur, den Landschafträumen und dem Goldbergsee zu schaffen. Mit seinen Freiraumqualitäten und seinem Nutzungsangebot liefert der neue Ladepark als Bindeglied einen wichtigen Beitrag zur Integration des Gewerbecampus in das städtische Freiraumgefüge. Weite Ausblicke bis zum Schloss Callenberg oder zum Naturschutzgebiet Glenderwiesen stärken die Verzahnung mit der Umgebung.

Ein Netzwerk von Wegen, das sich formal radial aus dem Verlauf der Christenstrasse löst, spannt Grünraumzellen auf, die sich zum neuralen Punkt am Platz an der Parktreppe verdichten. Zu den Rändern lösen sich diese Zellen in großmaßstäblichere Wiesensegmente auf und vermitteln so stadträumlich zwischen dem urbanen Kern am Platz und der Großmaßstäblichkeit der anliegenden Gewerbestrukturen. Die starke Durchdringung von Landschaft und Architektur sucht eine enge Beziehung zwischen Mobilität, Urbanität und Landschaftlichkeit. Es entsteht ein Ort, der sich über seine gestalterische Kraft aber auch über die Vielfalt an Nutzungen, eingebettet in eine parkähnliche Infrastruktur, zukunftsweisend abhebt. Nicht nur für Autofahrer sondern insbesondere auch für Radfahrer und Fußgänger ergeben sich ständig wechselnde Ansichten, je nach Blickwinkel präsentiert sich die Anlage entweder architektonisch oder landschaftlich.
Der leicht abgeänderte Verlauf der Christenstraße ermöglicht eine passgenaue Verzahnung der unterschiedlichen Bereiche des gesamten Parks. Der markante Knick zwingt zu einer Richtungsänderung und Entschleunigung an zentraler Stelle. Das Servicegebäude bildet die Schnittstelle zwischen den befahrbaren Bereichen mit Ladeinfrastruktur und den parkähnlichen Bereichen zum Aufenthalt. Gleichzeitig vermittelt es den Höhenunterschied zwischen beiden Ebenen – nach Westen als grüne Topographie und nach Osten als architektonische Fassade. Die Abläufe von Ankommen, Laden und Aufenthalt sind eng miteinander verwoben und gut aufeinander abgestimmt. Je nach Verweildauer pendelt der Nutzer entweder nur kurz zwischen E-Ladepunkt und SB-Bereich oder nutzt die angrenzende Parkinfrastruktur zum ausgedehnteren Aufenthalt. Während der Parkplatz mit Ladeinfrastruktur das Ankommen und die Dynamik der Bewegung feiert, entsteht hier im Zentrum ein grüner Ruhepol zum Verweilen und Entschleunigen. Die Freiflächen unter dem Dach des Ladeparks bilden eine Grünraumkette die den Nutzer durch den Ladegarten über die Parktreppe mit integrierter, barrierefreier Rampenanlage auf die obere Ebene führt. Der Nutzer wird so fließend in den Park geleitet. Hier entsteht ein zentraler Platz zum Wohlfühlen im Grünen mit hoher Aufenthaltsqualität. Die programmatischen Nutzungen konzentrieren sich an diesem zentralen Punkt und sind allen Nutzergruppen zugänglich - Servicebereich mit Café-Shop, E-Bike-Station, Kinderspielplatz, Calisthenics Elemente, als auch gartenähnliche Ruhebereiche. Gleichzeitig ist der Platz ein Ankerpunkt für Nutzer aus den umliegenden Bereichen, der zum Innehalten einlädt und die Nutzung der SB-Bereiche ermöglicht. Die zum Park hin geneigten, extensiv begrünten Dachflächen der Gebäude bieten zudem Aussichtsterrassen über das Areal und die elegante Dachform an.
Einen weiteren potenziellen Anziehungspunkt innerhalb des Parks bildet die Scheune am Hessenhof im südlichen Parkbereich. Hier wird die Programmatik des Parks mit denkbaren Nutzungen wie das Hessenhof Pop-up Food-Festival, Streichelzoo, Kunstgalerie mit temporären Atelierflächen als auch ein Open Air Kino, bei der die Scheune als Projektionsfläche dient, saisonal erweitert und bereichert.

Freianlagen Materialien

Die Stellplatzflächen werden aus Rasenfugenpflaster hergestellt und verleihen den normalerweise sehr funktional angelegten Flächen einen grünen, parkähnlichen Charakter, der sich in einer zentralen Spur mit Kleinbäumen verdichtet und einzelne Sitzelemente integriert. Die durchlässigen Belagsflächen erlauben eine teilweise Regenwasserversickerung vor Ort mit darunter platzierten Rigolensystemen. Die ehemalige Christenstraße wird als kombinierter Fuß- und Radweg mit einer Breite von 4 m aus gut berollbarem, hellem Asphalt mit mineralischer Abstreu zurückgebaut. Die feiner verästelten Nebenwege aus wassergebundener Decke sorgen für eine parkähnliche Haptik. Aufkantungen aus Beton schaffen vereinzelte Sitzbereiche und greifen die Tektonik und Formensprache des SB-Gebäudes auf. Die seitlichen Grünflächen werden als flache Versickerungsmulden ausgebildet und erlauben die Einstauung von Regenwasser, insbesondere bei Starkregenereignissen, und eine Wärmeregulierung durch Verdunstungskühlung. Durch den Rückbau vorhandener Asphaltflächen wird der Anteil versiegelter Flächen signifikant reduziert. Der wertvolle Baumbestand entlang der ehemaligen Christenstraße wird weitestgehend erhalten und bildet den Kern des neuen Klimawaldes. Ergänzende Gehölze verdichten die lineare Baumreihe zu einem flächigen, schattigen Hain. Die dichte Strauchschicht wird zugunsten einer neuen Übersichtlichkeit entfernt. Der Übergang zum westlich angrenzenden Gewerbegebiet wird durch einen Wiesensaum aus unterschiedlichen Saatgutmischungen aus Ackerrandstauden und Wiesenkräutern definiert, welche die Atmosphäre der angrenzenden Feldstrukturen aufgreift. Die Gliederung durch ein subtiles Patchwork aus variierenden Farbtönen unterstützt die Geometrie des Parks.