2. Rundgang

[lu:p] Architektur Grub am Forst
gruen fuer stadt + leben landschaftsarchitektur eG Leipzig

Verfasser:
Renee Lorenz, Dipl.-Ing. 
Matthias Poese, M.A. 
Mitarbeit:
Anders Macht

 

Erläuterungstext zum Entwurf

Erläuterungstext

KAESER recharge
Neue Energie für Mensch und Motor

Der neue KAESER-Ladepark in Bertelsdorf - derzeit noch am Stadtrand von Coburg gelegen - ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Leuchtturmprojekt für einen wachsenden Stadtteil. Direkt an der neuen Trasse der Staatsstraße 2205 (Verbindung Hildburghausen-Bad Rodach-Coburg) und in unmittelbarer Nähe der A73 gelegen, bietet der neue E-Ladepark ein einzigartiges Pausen- und Erholungsangebot für Besucher und Bewohner Coburgs in diesem bisher eher ländlich und industriell geprägten Gebiet.

Neben der Erweiterung des Firmengeländes und der dazugehörigen Infrastruktur möchte die KAESER Kompressoren SE am Standort Coburg auch ein Standbein in den Bereichen nachhaltige Energien und Elektromobilität aufbauen und gleichzeitig seinen Mitarbeitern und den Bürgern der Region einen zentralen stadtnahen Treffpunkt im Grünen in Stadtnähe bieten.

Konzept

Die Organisation des Geländes ist - aufgrund seiner Hauptnutzung als Ladepark für E-Mobilität - technisch inspiriert. Sie orientiert sich an der Optik einer Computerplatine. Dies ist insbesondere aus der Vogelperspektive wahrnehmbar: Um das Herzstück (den „Computerprozessor“), hier das Servicegebäude und die Hauptenergieversorgung, sind zahlreiche Nutzungen wie die Fahrzeugladeboxen („externe Schnittstellen“) und weitere Anlaufpunkte auf dem Gelände - insbesondere in der Parkanlage - angeordnet. Alle Funktionen und das Gelände sind durch ein Wegenetz miteinander verbunden, das in seiner Anordnung an Leiterbahnen erinnert. Die für den Besucher wahrnehmbare Gestaltung des Geländes ist jedoch alles andere als technisch - Natur und natürliche Materialien wie Holz oder Glas dominieren.

Obwohl die Hauptnutzung des Geländes ein Ladepark für Elektrofahrzeuge (PKW, LKW, Motorräder, Fahrräder) ist, tritt dieser optisch in den Hintergrund: Die fast quadratische Grünfläche - von Südosten nach Nordwesten von der ehemaligen Christenstraße durchzogen und im Süden von der Hessenhof-Gastronomie begrenzt - wird von Bäumen, Grünflächen, Wegen und Plätzen für Menschen bestimmt. Nur das zentrale Hauptgebäude auf dem Hochpunkt des Geländes ragt heraus: der KAESER recharge hub.

Parken und Laden

Die von der neuen Christenstraße befahrbaren Lade- und Stellplätze beschränken sich auf das nordöstliche Drittel des Geländes. Auch aufgrund des nach Süden und Südosten ansteigenden Geländes tritt diese Funktion auf dem Areal optisch automatisch in den Hintergrund, ist aber straßenseitig sehr gut einsehbar. Modulare, flexibel aufstellbare Ladeboxen (Zweier- und Vierer-Einheiten) bieten hier die Möglichkeit, Elektrofahrzeuge aufzuladen. Diese Abstell- und Ladeplätze für Fahrzeuge bestehen aus einer Holz-Stahl-Konstruktion in rechteckiger Form mit abgerundeten Ecken. Sie bieten Schutz vor der Witterung und sind mit allem ausgestattet, was man für eine kurze Ladepause benötigt: pro Ladepunkt mit Ladekabel, Infodisplay, Abfalleimer, Autostaubsauger und Reinigungsutensilien sowie einem Feuerlöscher für den Notfall. Die Ausstattung ist optisch unauffällig in die Seitenwände der Ladeboxen integriert. Die Innenhülle der Einheiten ist angenehm mit Holz und einem holzfarbenen, rutschfesten Bodenbelag ausgekleidet, umlaufende LED-Lichtbänder an den Öffnungen sorgen für die Beleuchtung. Die Fassade der Boxen besteht aus einer schwarzen Blechverkleidung, auf dem Dach sind flächenbündig Photovoltaikmodule integriert. Zur besseren Orientierung sind die Parkboxen innen und außen mit großen Leuchtziffern nummeriert.

Neben den 60 E-Ladepunkten in Boxen (plus den vier LKW-Ladeplätzen parallel zur neuen Christenstraße) stehen auch 40 Stellplätze ohne Ladefunktion zur Verfügung. Wenn das Fahrzeug wenig Ladezeit benötigt oder man sich nur kurz die Beine vertreten möchte, kann man die Aufenthaltsbereiche direkt am Parkplatz mit Bäumen und Sitzgelegenheiten nutzen.

Weg zum KAESER recharge hub

Wenn der Ladevorgang länger dauert oder ein längerer Aufenthalt geplant ist, ist der Weg zum Servicegebäude nicht weit. Durch die überdachten und mit Glas-Photovoltaik belegten Wege gelangt man auch bei Regen oder Schnee trockenen Fußes dorthin.
Die Topographie der Anlage ist dem natürlichen Gelände nachempfunden und der vorhandene Höhenunterschied kann durch die langen, nur mäßig ansteigenden Wege problemlos barrierefrei überwunden werden.

KAESER recharge hub

Das Servicegebäude als zentraler Anlaufpunkt - alle Wege führen zu ihm oder an ihm vorbei - ist dreigeschossig. Sichtbar sind jedoch nur die oberen beiden Geschosse: ein massives Erdgeschoss und ein transluzentes, helles Obergeschoss mit quadratischem Grundriss. Diese Kubatur mit abgerundeten Ecken gibt den Gestaltungsduktus für das gesamte Areal vor. Das Obergeschoss ist in Metallgewebe gehüllt (transluzente Photovoltaik auf dem Dach), das tagsüber als Sonnenschutz dient und nachts beleuchtet zum Erkennungsmerkmal der Gesamtanlage wird und so eine maximale Fernwirkung entfalten kann.

KAESER recharge hub - Erdgeschoss

Über Eingänge an allen vier Seiten des Gebäudes gelangt man in das Foyer mit dem zentralen Servicekubus. Während in den Ladeboxen die Elektroautos mit Energie versorgt werden, können die Reisenden hier ihre „Batterien“ mit Speisen und Getränken und auf bequemen Sitzgelegenheiten wieder aufladen. Im Foyer und im zentralen Kern stehen Automaten mit kulinarischen Angeboten zur Selbstbedienung, sowie Informationen zu KAESER Kompressoren, dem Park und dem Standort Coburg zur Verfügung. In den vier Quadranten des Erdgeschosses sind Sitznischen sowie weitere Automaten und die vertikale Erschließung angeordnet: Ein Aufzug und Treppen verbinden die drei Geschosse.

KAESER recharge hub - Obergeschoss

Das großzügige Obergeschoss - durch einen Luftraum mit dem unteren Foyer verbunden - bietet weitere Sitzmöglichkeiten. Hier kann man den Ausblick auf das KAESER Gelände, die Veste Coburg und den Naturraum des angrenzenden Goldbergsees genießen oder sich von dem scheinbar schwebenden Medienkubus unterhalten und informieren lassen. Insbesondere das Obergeschoss kann multifunktional genutzt werden: je nach Möblierung als Ausstellungs- oder Vortragsraum.

KAESER recharge hub – Untergeschoss, Technik, Wirtschaftshof

Über Treppe oder den Aufzug gelangt man barrierefrei in das Untergeschoss, in dem sich ausreichend Sanitäranlagen mit Duschmöglichkeiten befinden. Unsichtbar für den Besucher befinden sich im Untergeschoss die für den Verladepark notwendigen Technik- und Lagerräume. Diese sind - ebenso wie die Transformatoren - über einen auf Kellerniveau gelegenen (halbüberdachten und damit abgeschirmten) Betriebshof im Osten mit Zufahrt für Transporter zu erreichen. Auch die Ver- und Entsorgung der Anlage wird hier versteckt abgewickelt, die Zufahrt erfolgt direkt über den Parkplatz.

Bauabschnitte und Flexibilität

Der erste Bauabschnitt enthält die Zu- und Abfahrt, das Servicegebäude und die ersten Ladeboxen. Die Anlage kann leicht erweitert bzw. in weitere Abschnitte unterteilt werden. Zusätzliche Lademodule können nach Bedarf hinzugefügt werden. Das Konzept lässt sich zudem problemlos weltweit auf andere Standorte oder Situationen übertragen.

Parkanlage

Möchten sich Besucher oder Reisende nicht im recharge hub aufhalten oder sind sie bereits ausreichend versorgt, stehen ihnen der Quartiersplatz (mit Wasserspiel und Außenmöblierung), die Flächen um das Gebäude oder der Park im Südwesten zur Verfügung. Im Sinne der Analogie zur Computerplatine führen Wege vom Hauptkomplex zu kleineren Einrichtungen und Funktionen: Hier findet man einen Spielplatz, Sportanlagen, überdachte Pavillons mit Sitzgelegenheiten sowie Fahrradabstellplätzen und E-Bike Lademöglichkeiten. Darüber hinaus stehen offene Wiesen- und Spielflächen, aber auch Bäume und Baumgruppen als Schattenspender zur Verfügung. Das bestehende Scheunengebäude der Stadt Coburg wird in die Nutzung integriert und bespielt.

Der Hessenhof und seine Gastronomie werden – wenn gewünscht – an- und eingebunden (u.a. mit dem Parkpavillon im Südwesten). Das anfallende Regenwasser wird dezentral über offene Wegebeläge und Mulden im Bereich der Grünflächen der Versickerung zugeführt. In den tieferliegenden Bereichen der Parklandschaft dienen die Mulden zusätzlich der Aufnahme von Starkniederschlägen. Der wertvolle Baumbestand entlang der ehemaligen Christenstraße bleibt erhalten und wird Bestandteil der schattenspendenden Parklandschaft. Die Bodenversiegelung wird auf ein Minimum reduziert. Die Primärwege mit hoher Nutzungsfrequenz werden in heller und klimaangepasster Asphaltbauweise hergestellt. Sekundärflächen- und Wege werden durchlässig in wassergebundener Bauweise ausgeführt.

Wegeverbindungen

Die Erschließung des Geländes für Fußgänger (Wanderer) und Radfahrer erfolgt wie bisher beidseitig über die ehemalige Christenstraße - jetzt als diagonaler Weg durch das Gelände - von Südosten und Nordwesten. Die dort vorhandene Baumallee wird weitestgehend erhalten. Eine neue Verbindung nach Westen zum Goldbergsee wird durch eine Brücke über die Glender Straße geschaffen. Radfahrer und Fußgänger gelangen so am Wertstoffhof vorbei in das Naherholungsgebiet rund um den See mit der Vogelfreistätte, Wanderwegen und den Glender Wiesen - oder in die andere Richtung auf das KAESER recharge Gelände.