Anerkennung

Hermann Kaufmann + Partner ZT GmbH Schwarzach (AT)
Uniola AG München
Neumann Architektur Neuhof

Verfasser:
Roland Wehinger, Arch. DI
Annika Sailer, Dipl.-Ing.
Frank Neumann, Dipl.-Ing. (FH)
Mitarbeit:
Thomas Fussenegger, Clémentine Huck, Justine Nimitz
Sophie Hundertmark, Anna Radice, Laura Stoib, Marion Hohmann, Carolin Diel
Fachplaner:
Bauingenieurwesen: merz kley partner GmbH
Innovationsmanagement Energie: Rhomberg Bau GmbH
Lichtkonzeption: Miriam Prantl
Gastronomie- und Betreiberkonzeption: Ingo Wessel hospitality development

BEURTEILUNG DES PREISGERICHTS:

 

Die Setzung des Ladeparks auf dem Grundstück, die Positionierung von Zu- und Abfahrt und die Lage der Lkw-Ladestation sind grundsätzlich so vorstellbar. Das Gebäude entfaltet vom Kreisel aus gesehen eine gewisse Signetwirkung. Von der leicht wirkenden Holzstruktur zur Aufnahme der Photovoltaik Elemente geht ebenfalls ein gewisser Reiz aus. Die Zufahrt zum unteren Teil des Gebäudes wird jedoch eher als Tiefgarageneinfahrt wahrgenommen und kann so nicht überzeugen.

Insgesamt scheint der Aufwand zur Errichtung des unteren Teils der Spiralstruktur hinsichtlich Kosten, baulichen Eingriffs in die Landschaft und Ressourcenverbrauch nicht angemessen zu sein. Das einhüftige Parksystem kann ebenfalls nicht überzeugen. Zudem bestehen erhebliche Zweifel an der Raumqualität des Bereiches unterhalb der Rampe, die als befahrbares Flachdach auch konstruktiv zu aufwändig erscheint.

Die funktionalen Anforderungen sind im Wesentlichen erfüllt, weisen aber erhebliche Schwächen auf. Als besonders nachteilig wird überdies die fehlende Flexibilität und fehlende Möglichkeit zum abschnittsweisen Errichten wahrgenommen. Positiv wird das große Angebot an Photovoltaikflächen gewertet.

Bei dem Entwurf wurden eine ganze Reihe Entscheidung getroffen, die einen erheblichen Ressourceneinsatz erfordern und einen hohen Unterhaltungsaufwand auslösen.

Der ambitionierte Ansatz kann das Preisgericht so leider nur teilweise überzeugen.

 

Erläuterungstext zum Entwurf

Erläuterungstext

Der Ladepark ist ein Gegenentwurf zur Unaufrichtigkeit globalisierter Tankstellenkonzepte, um dem Bedürfnis nach «Treibstoff» auf lokaler Ebene ganzheitlich neu zu begegnen. Architektur und Freiraumgestaltung schaffen Hand in Hand den Rahmen für ein verändertes Konsummodell, dass sowohl wirtschaftlich als auch ökologisch tragfähig ist. Ein formschönes Bauwerk manifestiert sich an der Schnittstelle zwischen Natürlichkeit & Hightech mit dem Ziel der Ressourcenschonung und Suffizienz. Das Ergebnis ist eine ehrliche Architektur, die sich durch die Wahl der Baumaterialien und die Verflechtung mit der Topografie mit dem Ort verwurzelt. Die Kunden und Besucher können sich einfach orientieren und erfahren beim Aufladen ihres Autos die vier Elemente (Sonne, Wind, Wasser, Erde). So entsteht ein Erlebnis- und Wohlfühlort im KAESER Lade-Park.

LADEPARK PKW UND SERVICE-BLOCK

Die runde Bauform steht im klaren Kontrast zur Heterogenität und Orthogonalität der umliegenden Gewerbebebauung. Der spiralförmige und barrierefrei Fahrweg optimiert den Verkehrsfluss mit guter Übersicht, geringen Fahr- und großzügigen Stellflächen. Die überdachte Fahrspur integriert sich so auch, bei gleichzeitiger Wahrung der Fernwirkung, in die Landschaft. Ebenso ist die Idee der Spiralform eine bewusste Analogie zum Sigma-Profil der KAESER Kompressoren.

Eingebettet in die «wogenden Wiesen» präsentiert sich die, filigrane und sich nach außen öffnende Holzkonstruktion des Ladeparks natürlich und einladend. Diese verlockende Geste wird nachts und bei Schlechtwetter durch das spielerische Lichtkonzept, das sich aus der aktuellen Ladeaktivität am Standort generiert, mit warmen Farben auf der Holzuntersicht zusätzlich gestärkt.

Entscheidet man sich für den Besuch der Ladeinfrastruktur, so steigt man, dem natürlichen Geländeverlauf folgend, über den barrierefreien 2,5% geneigten Fahrweg den Hang hinauf. Lediglich von der Staatsstraße tritt die aufgeständerte und überdachte Parkebene bewusst markant und weithin sichtbar in Erscheinung und verschmilzt dann mit der Natur. Auf der Fahrt nach oben schweift der Blick in die Landschaft und an den neuesten Modellen der E-Mobilität vorbei. Diese Art der Inszenierung kennt man sonst nur aus den glitzernden Markenwelten der großen Autohersteller, nun eben neu interpretiert, umgeben von Natur, Lehm und Holz.

Fährt man weiter nach oben, fällt der Blick auf das in Grün- und Blautönen irisierende PV-Dach. Hier wird die ganze technische Dimension des Projekts «erfahrbar». Während die unbeschattete Dachfläche die Sonnenergie den ganzen Tag über optimal nutzen kann, wird diese bei Regenwetter zu einem Regenwassersammler. Der Niederschlag fließt dann der Gravitation folgend, einem Strudel gleichend, in den zentralen Retentionsteich. Der größtenteils unterirdisch angelegte Wasserspeicher tritt an der Oberfläche lediglich als kleine Oase in Erscheinung und liefert in Hitzeperioden Regenwasser für die Bewässerung der Freianlagen und dient auch als Brauchwasserreservoir.

Der Service-Block orientiert sich als städtische Adresse klar zur Staatsstraße und zur Grundstückszufahrt hin. Der großzügig gedeckte Vorbereich ist zugleich Ankunftshalle, Foyer und Außen-Außenaufenthaltsbereich. Über Luftdruck angesteuerte, schwenkbare Glaslamellen, unterbinden oder fördern den natürlichen Luftzug je nach Außentemperatur und machen diesen Platz so ganzjährig optimal nutzbar.

Aufgrund der Lage des Service-Block an der Schnittstelle zwischen Auto- und Fußgängerverkehr gibt es keinerlei Überschneidungen von Fahr- und Gehwegen, was maximalen Komfort und Sicherheit gewährleistet. Durch die zentrale Wendeltreppe ist der Service-Block zudem von überall auf kurzem Wege und trockenen Fußes erreichbar. Der spiralförmige Fußweg, mit 360° Grad Blick in die Landschaft, erschließt auch die 7m höher gelegene «Scheune» und den Hessenhof barrierefrei. Die im Service-Block angebotenen Produkte sind nicht überteuert, vorwiegend lokal produziert und durch modernste SB-Automaten frisch zubereitet und wiederverwendbar abgepackt. Gemütliche Sitzgelegenheiten, eine kommunikative Stehtheke mit SB-Schankanlage, eine lounge-artige Wärmeinsel mit Infrarotheizung, und eine kuschelige Spielgrube für Kinder runden das vielfältige Wohlfühlangebot auch im Gebäudeinneren ab.

LADEPARK FÜR LKW

Bei Minimierung von Flächenversiegelung und Fahrwegen erhält der Ladepunkt für die LKW dieselbe Bauweise wie das Hauptgebäude. Lediglich ein zusätzlicher Zuggurt und ein Druckring halten die Stützenkonstruktion statisch minimal.

KONSTRUKTION UND MATERIAL

Die Konstruktion der Ladeparküberdachung ist denkbar einfach und gut rückbaubar. Diese beruht auf einem Tragelement, welches sich 186-mal wiederholt und aus nur 5 verschiedenen Radien zusammengesetzt ist. Die Gabelstützen mit einer aussteifenden Dachscheibe aus trapezförmigen 3S-Platten können aus linearen Elementen einfach vorgefertigt werden. Die einzelnen Dachsegmente werden dann vor Ort nur noch am schienenförmig umlaufenden Fußdetailpunkt verdübelt. Die 1x1m großen Glas-PV-Module werden zum Schluss einfach eingehängt.

Die Wände des Serviceblocks und der Brüstungen werden aus Stampflehm errichtet. Der Lehm kann vor Ort aus den vorhandenen Tonen gewonnen werden. Eingearbeitete Trassleisten und eine Stahlblechabdeckung schützen die Lehmbauteile dauerhaft. Der Dachaufbau des Service-Blocks aus einer Balkenlage mit Asphaltbelag ist einfach konstruiert und im Holzbau bewährt. Die radial gebogenen Randträger aus Stahlbeton sind im Fertigteilwerk einfach vorproduzierbar. Der Bodenaufbau besteht lediglich aus Asphalt-Terrazzo mit einer darunter liegenden Blähton-Schüttung. Der geschliffene Asphaltbelag setzt sich nahtlos in den befestigten Freianlagen fort, sodass innen und außen zusammenfließen.

Die Ladepunkte werden zum Teil durch faszinierende Photovoltaik-Module gespeist, welche einen einzigartigen Morpho- Effekt aufweisen. Inspiriert von den Schmetterlingsflügeln erzeugen diese Glasmodule nicht nur eine ästhetische Anziehungskraft, sondern schaffen auch eine innovative Verbindung zur Natur und unterstreichen das Bestreben nach kreativer Energiegestaltung.

BAU- UND BETRIEBSKOSTEN / ABSCHNITTSBILDUNG.

Der Entwurf löst das Spannungsfeld zwischen Repräsentation und Effizienz auf, da beide Kriterien gleichermaßen erfüllt werden. Das Ladeparkdach überdeckt nur die nötigste Fläche bei moderater Bauhöhe. Die Befahrbarkeit der Überdachung des Service-Blocks erhöht die Effizienz durch Mehrfachnutzung.

Die Betriebskosten sind niedrig zu erwarten. Alle Holzbauteile sind komplett witterungsgeschützt und wartungsfrei. Das 3.100m2 große PV-Dach ist wartungsarm und stellt viel Betriebsstrom bereit. Die gesamte Verkabelung der Ladeinfrastruktur ist oberirdisch und leicht zugänglich untergebracht. Die Elektrotechnik- und Traforäume sind ebenerdig, zentral und von außen leicht zugänglich angeordnet. Durch den Komfort der zentralen Strahlungsheizung und die somit generell niedrigere Raumtemperatur, sowie der Regenwassernutzung für die Außenanlagen und die Sanitäranlagen, werden die Betriebskosten ebenfalls geringgehalten.

Eine Bauabschnittsbildung ist vorgesehen, indem zuerst nur der östliche Grundstücksteil bebaut wird. In der Spirale sind zunächst 40 Lade- und 20 Besucherplätze untergebracht. Im zweiten Bauabschnitt wird der westliche Bereich mit LKW- Ladepunkt und Stellplätzen errichtet.

FREIANLAGENKONZEPT UND IDEENTEIL.

Für den kurzen Aufenthalt als auch für einen längeren Familienausflug bietet das durchgrünte Areal abwechslungsreiche Erholung. Ein Rundweg verknüpft die verschiedenen Erlebnisbereiche miteinander, erlaubt eine einfache Orientierung und gute zeitliche Einschätzung der Verweildauer.

Ausgehend vom Serviceblock erreichen Besucher zu Fuß den Aussichtspunkt «Rauschende Rast» inmitten eines lichten Zitterpappelhains, dessen Blätterklang im Wind an das Rauschen von Wasser erinnert. Den Weg hinauf durch die «wogenden Wiesen», eine Pflanzung aus hohen Gräsern und blühenden Stauden, begleiten einzelne Spielstationen für die kleinen Gäste. Der Rundweg führt die Besucher durch den «Regenbogenwald», dessen Dichte und Schattigkeit sich durch die gezielte Auswahl hier natürlich vorkommender Pflanzengesellschaften und klimareselienten Arten nach Südwesten hin verstärkt. So entsteht mit der Bepflanzung ein natürlicher Windschutz als auch die «Bioklimaanlage» des Areals: Durch die Evapotranspirationsleistung der Bäume wird das lokale Klima inmitten des Gewerbegebietes deutlich abgekühlt und Hitzeinseleffekte auf dem Areal minimiert. Vom Rundweg aus ergeben sich immer neue Ausblicke: z.B. zur «Wolligen Weide», die als Ausgleichsfläche natürlich von Schafen beweidet wird, dem Spielplatz «Nebel-Wald» und den «Pflück- Gärten», wo saisonal eigenes Obst und Gemüse geerntet und im Serviceblock und der Scheune genossen oder erworben werden kann. Der Radweg Christenstraße fügt sich natürlich geschwungen an den neuen Baukörper und leitet über einen aufgeständerten Aussichts-Weg (High-Walk) über die wollige Weide direkt zum regionalen Radweg in Richtung Goldbergsee. Ein untergeordneter Radweg zur Erschließung des Gewerbegebiets bleibt erhalten. Neben der Ausfahrt vom Ladepark können E-Bikes zur Erkundung der Glenderwiesen entlang der neuen Radroute ausgeliehen oder auch aufgeladen werden.

Bei guter Bausubstanz soll die bestehende «Scheune» gemäß gastronomischen Konzept einer neuen Nutzung zugeführt werden, welche sowohl Synergieeffekte mit dem Ladepark als auch dem Hessenhof knüpft.